Long and Windy Roads – NYC 2014

Alles begann im Jahr 2010: Zusammen mit meinem Freund bereiste ich wieder einmal New York City und erneut war ich von der Stadt so begeistert, dass ich im Anflug einer Euphorie – und womöglich unter dem Einfluss des ein oder anderen alkoholischen Drinks – äußerte „in dieser Stadt könnte ich mir vorstellen, meinen einen einzigen Marathon im Leben zu laufen.“ Plötzlich war ausgesprochen, was ich zuvor lediglich gedanklich erwähnte und vor allem war es laut ausgesprochen gegenüber meinem Partner…und dieser vergisst solche Bekundungen nie…niemals. Der Ausspruch wurde somit zum Plan und so laut angepriesen, dass viele unserer engsten Freunde partizipieren wollten. Der Plan wurde letztendlich Gruppenziel. Leider gab es Anlaufschwierigkeiten und der Hurrikan „Sandy“ verhinderte eine exakte Umsetzung 2012. Nach einer kurzen ziemlich enttäuschten Phase der Anerkennung der Ereignisse war ich sicher, mein persönliches sportliches Ziel trotzdem umsetzen zu wollen und so gab es einen zweiten Anlauf vor sieben Tagen, vor einer Woche, am 02.11.2014.

In der Woche vor dem Marathon konnte ich erleben, wie sich die Stadt mehr und mehr mit Sportlern füllte, US Bürgern und Ausländern, die entweder zu den 76% der Teilnehmer zählten, die das allererste Mal 42,195km absolvieren wollten oder Wiederholungsläufer waren. Auf der Messe zur Abholung der Startnummer spürte ich stärker denn je, eine von vielen, eine einer Massenveranstaltung, eine von über 50 000 weiteren Läufern zu sein… Meine Euphorie stieg, meine Nervosität auch, doch im Besonderen meine Glückseligkeit, endlich, fast endlich, mein persönliches sportliches Ziel gar schon greifen zu können. Der Lauftag an und für sich startete mit mehreren Herausforderungen wie einem sehr frühen Aufstehen, um rechtzeitig vor Brückenschliessung nach Staten Island zu kommen. Mein Bus war um 06:15 Uhr am Ziel und von da an hieß es warten… warten… ausreichend frühstücken… weiterhin warten… und natürlich nicht auskühlen. Schlussendlich war es dann irgendwann 09:30 Uhr, die Massen meiner Welle bewegten sich zum Start, fast beiläufig war die Nationalhymne zu hören, zwei Startschüsse fielen und los ging es. Vorjahresabsolventen gaben mir vorab ihre Berichte wieder – worüber ich sehr dankbar bin – und schlussendlich kann ich schreiben, dass sie alle recht hatten als sie meinten: das Streckenprofil ist unglaublich anspruchsvoll, sehr uneben, Steigungen und Abfälle wechseln zu Hauf, es gibt Wind auf der gesamten Strecke und die Straßenuntergründe sind bescheiden. Streckentechnisch geht der Lauf durch alle 5 Stadtteile, startend auf Staten Island, über Brooklyn, Queens, Manhattan, Teil I, die Bronx, Manhattan, Teil II mit Zieleinlauf im Central Park.

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v.l. Dani, Nadine; Stefan, Steven, Sandra

 

Da ich über drei Jahre auf dieses Event hin fiebern durfte, hatte ich die Möglichkeit, mir den Start, das Finish, die Umstände, die Emotionen, einfach alles auszumalen, was realistisch eintreten würde bzw. von dem ich glaubte, das sie realistisch eintreten würde. Rückwirkend betrachtend muss ich ernüchternd zugeben, dass ich weit fehlte: der Streckenverlauf begeisterte mich bei weitem nicht, das Streckenprofil hat mir einiges abverlangt, die Organisation auf Staten Island war grenzwertig und zu den Impressionen der Stadt kann ich nur schreiben, meine Erwartungen wurden nicht getroffen. Der New York City Marathon war persönlich weit weniger emotional als gedacht und doch gleichzeitig viel viel ergreifender als erwartet. Mein Freund prophezeite mir am Vorabend des Laufes schon, das die Zuschauer mich ins Ziel tragen würden. Als eher unerfahrene Läuferin wusste ich diesen Satz überhaupt nicht zu deuten und weiß erst jetzt, nachträglich, was er meinte: nicht nur über 40 000 freiwillige Helfer gaben insgesamt über 2 Millionen Trinkbecher aus, sondern auch über 2 Millionen New Yorker standen aufgereiht an 42, 195km Strecke und applaudierten, sangen, tobten, stimmten Beifall und machten aus jedem einzelnen Läufer einen Helden. All diesem Streckenpublikum möchte ich nun rückwirkend danke sagen. Soviel Unterstützung von außen habe ich bisher noch nie bei einem Wettkampf erfahren dürfen. Die New Yorker haben den New York City Marathon für mich schlussendlich unvergesslich und sehr ergreifend gemacht.

Danke NYC und danke an das Maskottchen Björn, sowie Dani, Sandra, Steven und meinen Freund.

Eure Nadine

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